Am 12. August 2026 zog der Kernschatten des Mondes als schmaler, schnell wandernder Streifen von der Arktis über Grönland und Island bis nach Nordspanien und zu den Balearen: Der Pfad begann bei Sonnenaufgang im Norden Russlands. Von dort wanderte der Schatten zunächst nordwestwärts, verfehlte den geografischen Nordpol um ungefähr 100 Kilometer. Anschließend bog der Pfad südwärts ab und verlief über bzw. entlang der Ostseite Grönlands und quer über den Westen Islands einschließlich des Raums Reykjavík. Danach überquerte der Kernschatten den Nordatlantik und erreichte die Iberische Halbinsel. In Spanien verlief die Totalitätszone über den Norden und Nordosten; der Schatten zog anschließend über das Mittelmeer weiter zu den Balearen und löste sich dort rasch von der Erdoberfläche.
Die Totalitätszone war damit ein Bogen von ungefähr 8.300 Kilometern Länge. In ihrem Bereich war der Kernschatten maximal etwa 294 Kilometer breit; die längste Totalität lag mit etwa 2 Minuten 18 Sekunden über dem Nordatlantik – in der Nähe von Island. In Deutchland zeigte sich die Sonnenfinsternis als Partielle Finsternis; in Südwestdeutschland erreichte die Bedeckung etwa 90 %, wobei die Sonne bei der Verfinsterung bereits tief im Westen stand.

Wir entschieden uns relativ kurzfristig für eine Reise nach Mallorca um dort an der Westküste oberhalb der Stadt Sankt Elm das Himmelsschauspiel als Totale Sonnenfinsternis beobachten zu können: Sant Elm erschien uns für die Beobachtung der Sonnenfinsternis am 12. August 2026 ein reizvoller und gut zu erreichender – jedoch nicht ganz unproblematischer – Standort. Mit rund 1 Minute und 37 Sekunden bot der Ort am äußersten Südwesten Mallorcas die längste Totalität auf der Insel.

Die Lage am Meer war grundsätzlich vorteilhaft, weil die bereits sehr tief im Westnordwesten stehende Sonne bei freiem Horizont über dem Meer sichtbar sein sollte. Die Verbindung aus Totalität, Abenddämmerung und Meereskulisse verspracht zudem ein außergewöhnliches Beobachtungs- und Fotomotiv. Der entscheidende Nachteil von Sant Elm – den wir bei der Planung nicht abschließend einschätzen konnten – liegt jedoch in der vorgelagerten Insel Sa Dragonera (Dracheninsel): Sie befindet sich von Sankt Elm aus in der Blickrichtung zur Sonne und könnte diese ggf. während der Totalität teilweise verdecken. Da die Sonne bei der Totalität nur etwa 2 bis 2,4 Grad über dem Horizont stand, reichten bereits kleine Hindernisse wie Geländeformen oder Bäume auf der Dracheninsel, um die Sicht zu beeinträchtigen.
Wir besuchten den geplanten Beobachtungsort daher am Vortag der Finsternis, konnten aber auch mit Hilfe einschlägiger Apps (die mittels Augmented Reality den Weg der Sonne über der Landschaft zeigen) dennoch nicht abschließend klären, ob die Totalität komplett zu sehen sein wird, ehe die Sonne hinter der Dracheninsel unterging – wir wollten es am nächsten Tag darauf ankommen lassen.

Bereits bei der Übernahme des Mietwagens am Flughaften am Tag zuvor wurden wir darauf hingewiesen, dass für den Tag der Sonnenfinsternis zahlreiche Strassensperrungen geplant sind, um zu verhindern, dass mehr Menschen zu den Küsten fahren, als dort Parkplätze zur Verfügung stehen (und da der Sommer 2026 massiv trocken war und es im Juli und August schon in zahlreichen Ländern Europas zu – teilweise großflächigen – Waldbränden gekommen war, wollte die mallorquinische Regierung das Risiko für Waldbrände auf der Insel möglist gering halten). Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Sankt Elms, genossen den rund 35 Grad heissen Tag in der Stadt und fanden uns dann rechtzeitig zum Aufbau des Fotoequipements am Beobachtungsort ein.

Die partielle Phase begann in Sant Elm um 19:37 Uhr MESZ. Um 20:31:09 Uhr begann die Totalität, deren Mitte ungefähr um 20:31:57 Uhr erreicht wurde, das Ende der vollständigen Bedeckung war um 20:32 Uhr: Wie sich erst jetzt zeigte, konnten wir vom gewählten Beobachtungsort aus die gesamte Phase der Totalität beobachten, ehe die Sonne hinter der Dracheninsel verschwand.

Der Sonnenuntergang erfolgte in Sant Elm bereits gegen 20:51 Uhr, also noch während der anschließenden partiellen Phase. Das rechnerische Ende dieser Phase um etwa 21:22 Uhr war deshalb vom Standort aus nicht mehr sichtbar.

Der Sonnenuntergang erfolgte in Sant Elm bereits gegen 20:51 Uhr, also noch während der anschließenden partiellen Phase. Das rechnerische Ende dieser Phase um etwa 21:22 Uhr war deshalb vom Standort aus nicht mehr sichtbar.

.Die Wahl unseres Beobachtungsortes erwies sich als gute Wahl: Im Vorfeld der Verfinsterung konnten wir uns in den Schatten der Pinien ausruhen; für die Kameras (die weitgehend automatisiert systematische Aufnahmefolgen abspulten) hatten wir Stellplätze gefunden, an denen sie von anderen beobachtern nicht gestört wurden und auch nicht störten. Während des am Vortag im Norden der Insel zu bewölkung gekommen war, bließ unser Beobachtungsort von Wolken verschont. Und last but not least: Wir konnten die gesamte Phase der Totalität über der Dracheninsel beobachten, ehe die Sonne unterging.
Im Laufe der Verfinsterung fanden sich immer mehr Beobachter am beobachtungsort ein, die die Lage zu schätzen wussten: Mit Händen und Füßen wurden in verschiedenen Sprachen die Erlebnisse ausgetauscht und der Abend endete mit der Umarmung wildfremder Spanier: Eviva Espana!
Und hier – der Vollständigkeit halber – noch die neun einzelnen Bilder der oben kombinierten Phasen:








